Am Ende der Regenzeit – 23. Tag

Die Nacht war nicht so ruhig wie erwartet; es herrschte reges Kommen und Gehen zu der großen Campingsite und auch schon früh am morgen, hören wir aus der Ferne LKW-Motoren brummen. Wir stehen auf als es hell wird und frühstücken gemütlich bei Sonnenaufgang.

Um halb acht fahren wir los und wieder zurück Richtung Swakopmund. Am Abzweig zum Welwitschia Drive biegen wir ab und sehen sofort auf der linken Seite sehr viele Welwitschias. Das sind ganz besondere endemische Wüstengewächse.

Wir fahren weiter den Drive ab und halten an den markierten Punkten, in unserem Reiseführer sind die Haltepunkte alle beschrieben. Ganz besonders schön sind die beiden Viewpoints zu der sog. Mondlandschaft.


Dann geht es nochmal nach Swakopmund aus zweierlei Gründen: Elke möchte noch in 2 Geschäfte, die Souvenirs und Kunsthandwerk einer Initiative von Frauen verkaufen und ich möchte meinen Führerschein suchen. Wir starten an der Shell Tankstelle, dort wurde etwas gefunden, was mich schon in Hoffnung versetzt. Im weiteren Gespräch stellt sich dann heraus, das es mehrere Dinge waren und eine Mutter alles mitgenommen hat, da sie nicht wußte was alles ihrer Tochter gehört, aber ein deutscher Führerschein sei wohl nicht dabei gewesen. Die Teppichweberei von der Elke gelesen hat, liegt gleich in der Nähe. Dort liegen überall schön gefärbte dicke Wollkkneuel herum mit denen die Teppiche gewebt werden. Auch eine Bizerba Waage von 1958 steht in der Werkstatt und wer weiß, vielleicht hatte die mein Opa auch schon in den Händen? Die ausgestellten Teppiche sind nicht so unsere Richtung; man kann sich hier aber auch nach Vorlage was anfertigen und schicken lassen. Die Fahrt geht weiter zum Laden von Helping Hands. Dort gibt es Nara-Öl-Produkte, die ausschließlich von Frauen hergestellt werden, aber leider ist die Auswahl nicht sehr groß. Wir finden dafür ein geflochtenes Körbchen und ein Giraffenpuzzle. Nicht weit weg ist die „Ritterburg“ in der das NWR sein Büro hat und man möchte es nicht glauben, obwohl die nur wochentags auf haben, ist jemand im Permit-Büro. Aber auch hier wurde kein Führerschein gefunden. Elke geht dort noch aufs Klo und kennt nun den Trick, wie aus dem Wasserhahn Wasser kommt, denn darauf bin ich 2 Tage vorher gekommen. Wenn man den Wasserhahn aufdreht kommt nämlich kein Wasser, aber man sieht, dass das Waschbecken benutzt wurde. Unter dem Waschbecken ist ein weiterer Hahn, der das Wasser zum Fließen bringt. Derweil rufe ich bei Chris an um nachzufragen, ob im Auto was gefunden wurde, was auch nicht der Fall ist und falls bei der heutigen Tour im Sand was gefunden wird, ruft er zurück. Wir fahren noch zum Parkplatz am Hotel, dort auch Fehlanzeige und auch bei der Polizei. Die zeigen uns eine riesige Schublade mit Fundsachen, darunter sind Reisepässe, Führerscheine, Kreditkarten und sonstige Dokumente, aber nicht mein Führerschein. Da wir schon mal hier sind gehen wir noch in die Bäckerei Raith und trinken einen großen Kaffee, der hier sehr gut ist und essen ein süßes Stück dazu. Hier wurde auch nichts gefunden und die letzte Chance ist der Campground der eh auf dem weiteren Weg liegt. Vorher macht Elke nochmal ein paar Aufnahmen der Namib unter dem Nebel. Bei Sophia Dale leider auch Fehlanzeige und das war meine letzte Hoffnung, jetzt haben wir alle Punkte abgegrast, wo wir geparkt und ausgestiegen sind oder ich bezahlt habe, aber überall niente. Wo kann der denn nur geblieben sein?

Es hilft nichts wir müssen weiter und Elke muss dann durch Windhuk fahren, wo die Polizeikontrollen sind. Da wir nun schon fast 13:00 Uhr haben, halten wir dann auch an einer Rest Area, die ein Dach und Schatten bietet und machen Mittag.

Ich pumpe den Problemreifen auf, während Elke den Salat zubereitet. Es ist wieder sehr warm geworden und auch trocken, das kann man gut am Brot erkennen, das offen herum liegt, denn nach ein paar Minuten schon sind die Scheiben ausgetrocknet. Es sind noch einige Kilometer, bis der Wegweiser zur Spitzkoppe uns zum Abbiegen zwingt und wir noch 30 Kilometer auf einer Gravelroad zurück legen müssen. Die Landschaft und das Panorama werden immer schöner.

Der Campingplatz an der Spitzkoppe wird als Community Projekt der einheimischen Bevölkerung betrieben und das sieht auf den ersten Blick ganz ordentlich aus. Wir bekommen erklärt wo die Campsites sind und was es sonst noch zu sehen gibt. Duschen hat es am Eingang, die wir dann später auch benutzen wollen.

So suchen wir erst mal eine Site und finden auch gleich eine inmitten schöner roter Felsen mit Blick auf die Spitzkoppe. Wir setzen uns sehen uns unter einen Felsüberhang und lassen die Landschaft auf uns wirken.Da wir nicht wissen, wie weit es zur Bridge ist, nehmen wir das Auto – hätten das kurze Stück aber auch laufen können. Einen Plan haben wir nicht bekommen, genausowenig gibt es an den vielen Abzweigungen Wegweiser zur Orientierung.



Als wir von der Bridge wieder kommen macht sich gerade ein Overlander LKW auf unserer Site breit. Ich gehe gleich hin und mache denen klar, dass das unsere Site ist, weil hier auch bereits ein Teil unserer Campingausrüstung steht, aber es beginnt eine Diskussion die, wie ich gleich merke, wohl zu nichts führt. Der LKW ist wohl immer wieder hier und es gibt angeblich nur 2 Sites für LKWs, wobei ich das nicht glaube, denn auf den anderen Sites hat auch überall ein LKW Platz. Sie sagen wir können die Site doch miteinander teilen, aber das wollen wir nicht, wir wollen unsere Ruhe heute Abend. Außerdem wurde uns gesagt wir sollen nur eine freie Site nehmen und diese war frei und wir die ersten hier, warum wird das nicht respektiert? Dann kommen sehr fadenscheinige Argumente, von wegen dass die Zelte dann im Gras bei Schlangen und Skorpionen aufgestellt werden müssen. Ich bleibe zunächst bei meiner Meinung und tue die immer wieder kund und als ich mich mit einer deutschen Mitreisenden unterhalte, packen die den Tisch wieder ein und der LKW fährt. Aber er dreht nur um, damit wir die eine Seite der Site haben und sie die andere. Weitere Diskussionen führen zu nichts, als noch mehr Ärger und wir packen unsere Sachen wieder ein und fahren.

Zunächst wollen wir einen anderen Platz finden, es gibt genügend freie Plätze, aber dieser war auch der schönste. Einige gefallen uns nicht, doch weiter an der Spitzkoppe dran finden wir was passendes. Wir platzieren wieder mal Stühle und Tisch und fahren zum Eingang vor. Den Ärger lassen wir dann gleich mal beim Manager ab, der zwar jetzt nichts unternimmt, was uns schon klar war, aber ich muss das los werden. Er meint, dass er den Fahrer morgen abmahnt und auch einen Brief an den Veranstalter schreibt und dass das schon öfter vorgekommen sei. Wir sollen uns beruhigen und er würde uns einen schönen Platz zeigen, aber wir haben schon einen gefunden mit dem wir zufrieden sind.

Nachdem der Ärger abgeklungen ist, gehen wir in die Duschen, die man eigentlich nur als Paar betreten kann, da man zwischen den beiden Duschen durchsehen kann. Gleichzeitig füllen etliche junge Männer das etwas höher gelegene Wasserfass aus Kanistern auf. Das Wasser ist warm und es ist eine Wohltat, den Staub und den Ärger abzuwaschen. Meine Haare sind in Null Komma Nix trocken, Elke’s brauchen doch etwas länger und wir fahren auf unsere Site zurück die bereits im Schatten liegt. Dort richten wir uns ein und ich hacke gleich mal Holz und lege es der Größe nach aus, wie jeden Tag, damit das Anzünden dann einfacher wird. Wir machen zum Sonnenuntergang hinter der Spitzkoppe noch ein paar Fotos und Elke zieht mir noch 3 Holzspreißel aus der Hand, die fange ich mir jeden Tag ein. Ich sollte doch meine Handschuhe zum Holzhacken anziehen, vergesse ich aber immer.



Elke bereitet Fleisch und Beilagen vor und ich sehe mir die Bilder an, wobei ich ganz vergesse, das Feuer anzuzünden und so verspätet sich das Abendessen etwas. Da wir aber gelesen haben, dass die Einheimischen das Fleisch überm Feuer und nicht über Glut grillen, versuchen wir das auch mal und es geht auch. Der Springbock ist zwar auch wieder etwas zäh, aber doch besser als gestern. Als Nachtisch gibt es wieder eine köstliche Mango, für mich wieder in Whiskey Soße und der pure Schluck hinterher darf auch nicht fehlen. Die Flasche muss ja morgen Abend leer werden. Ich mache dann noch 2 Sets für Startrails und wir betrachten nochmal die Sterne über Namibia. Der Mond ist fast schon wieder auf halbe Größe geschrumpft und leuchtet sehr hell.

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