Eine Winterreise 11. Tag

Es hat die ganze Nacht durchgestürmt und auch noch am Morgen hat es nicht nachgelassen. Als wir das Wetter und den Straßenbericht checken, wird schnell klar das wird auch heute so weiter gehen; beim Bäcker nebenan sagte man mir auch nichts anderes. Wir könnten natürlich auch noch einen weiteren Tag hier aussitzen, aber die Sorge, morgen nicht nach Reykjavik zu kommen, weil die Ringstraße eventuell gesperrt ist, behagt uns gar nicht. Jetzt ist der Zustand nicht gut und mit gelber und blauer Farbe markiert, aber es geht wohl noch. Die direkte Verbindung nach Blönduos war ja schon gestern gesperrt, nach Akureyri kommt man auch nicht mehr. Wir entschließen uns kurzer Hand, heute schon abzureisen um dann etwas Puffer zu haben, falls es Probleme gibt. Isa ermuntert uns noch dazu, sie berichtet in Vik ist es wunderbar sonnig und windstill und es hatte letzte Nacht eine tolle Aurora. Sie bucht uns auch gleich ein Zimmer in dem Guesthouse, in dem sie wohnen.

Wir frühstücken noch und packen unsere Sachen zusammen. Zum Glück brauchen wir hier nicht so penibel alles sauber machen, nur die Küche sollte ordentlich sein, den Rest macht Vicki selbst. Wir geben ihr auch gleich Bescheid, dass wir heute schon abreisen und ich beginne mal das Auto vom Schnee zu befreien.

Was es heißt durch einen Blizzard zu fahren, wird uns am Ortsausgang „gezeigt“. Die Sicht geht gegen Null, weil das Schneetreiben wie dichter Nebel ist, die Straßen sind und waren ja schon vereist, jetzt liegt zusätzlich noch Schnee drauf und dazu bläst ein irrer Wind.

Er hat Orkanstärke und ist stark böig. Man kommt natürlich nur langsam voran, eigentlich im Kriechgang und wir fragen uns ständig, ob wir das heute schaffen? Zum Glück ist nur wenig Verkehr, aber wenn mal ein Auto entgegen kommt, sieht man es sehr spät und muss höllisch aufpassen. Das einzige Glück sind die guten Reifen mit Spikes und der 4-Radantrieb. Oft ist die Sicht so schlecht, dass man von einem Pfosten nicht zum nächsten sieht, keine Randbegrenzung, man weiß nicht wo man sich befindet, ob man bald von der Straße abkommt oder irgendwo dagegen knallt – ein Horror, solche Bedingungen. Für die fast 25 km bis zur Ringstraße bei Varmahlid haben eine gefühlte Ewigkeit gebraucht und dabei fast die Auffahrt zur Ringstraße übersehen.

Wir haben auch Videos gemacht, sonst glaubt uns das ja keiner.

Schneefahrt 2 from Andy on Vimeo.

Schneefahrt 3 from Andy on Vimeo.

Ab da wurden die Bedingungen dann noch schlimmer, da die Straße jetzt in die Berge geht. Als wir nach einer guten Stunde in Blönduos an der N1 Tankstelle ankommen, können wir eine Pause sehr gut gebrauchen. Wir sind trotz den widrigen Umständen gut durchgekommen. Als wir in den Shop gehen, schaut man uns an, als kämen wir vom Mond – bei dem Wetter ist wirklich nur unterwegs, wenn es unbedingt sein muss. Es gibt einen Kaffee und wir lockern unsere verkrampften Muskeln, der ganze Körper ist total angespannt. 4 LKW Fahrer sind auch gerade angekommen, nur dass die nach Norden fahren und das Schlimmste noch vor sich haben und sich jetzt erst mal mit ner ordentlichen Ladung Burger und Pommes stärken.

Wir fahren weiter und ab dem Ortsschild von Blönduos ist der Schnee auf einmal weg und wir haben gute Sicht. Wir können mit normalem Tempo und ohne Schnee und Eis fahren. Den Ausflug zum Hrvitserkur können wir leider heute nicht machen, der Abzweig sah zwar noch ganz gut aus, aber er würde bald schlechter werden und die Zeit haben wir auch nicht.

Am Südende des Hunafloi, ist die nächste N1 Tankstelle und dort machen wir wieder Halt und auch gleich Mittag. Der Wind hier ist so stark, dass er die Füllungen der Türen am Gebäude eindrückt. Auf der Hinweistafel , die bei problematischen Straßenabschnitten stehen, wird vor starkem Wind mit 26 m/s und Temperaturen von -6° C gewarnt. Die Sicht ist aber für ein paar Kilometer noch gut, bevor es dann wieder schlecht und glatt wird. Die Straße ist wieder komplett vereist und das zusammen mit dem Seitenwind wird einem vor uns fahrenden Bus zum Problem, der rutscht ständig seitlich weg und tut sich schwer auf der Straße zu bleiben. Ich überhole den bei der nächsten Möglichkeit auch wenn das etwas risikoreich ist. Es kommt dann irgendwann ein Warnschild am Straßenrand, das wir aber weder lesen noch deuten können. Naja die Bedingungen sind auch so schlecht genug, irgendwann macht es dann einen Rumms und wir sind in eine tiefe Schneewehe gefahren, zum Glück ist nichts passiert. Ob uns das wohl das Warnschild mitteilen wollte? Sobald die Straße wieder die Höhe verlässt, werden die Verhältnisse gleich besser und man kommt wieder ordentlich voran. Jetzt haben wir das Schlimmste auch überstanden, nur der Wind bleibt.

Vor Borgarnes fährt dann ständig ein Lögreglan hinter uns, das ist die isländische Polizei. Ich stelle ich den Tempomat auf 91 kmh ein, denn die Strafen für zu schnelles Fahren sind immens hoch. Er bleibt uns bis Borgarnes auf den Fersen und holt immer wieder auf , überholt aber nicht. In Borgarnes ist eine Radarmessung mit Anzeige instaliert und ich stelle fest, dass der Tacho stark vor geht. Statt der eingestellten 91 kmh fahre ich nur 85 kmh. Ich checke das noch mit dem GPS, was es mir bestätigt, fahre also immer zu langsam.

Unter dem Hvalfördur geht es wieder durch den Tunnel und wir erreichen bald darauf Reykjavik; an einer Tankstelle auf der 1 östlich von Reykjavik machen wir nochmal Pause und versuchen die Teerbatzen vom Rückspiegel zu entfernen. Die sind wohl vom Reifen rund um die Spikes weg geflogen und kleben nun fest am Spiegel. Auf dem Höhenzug vor Hvergerdi wird es nochmal richtig schlimm mit Eis, Schnee und Wind. Hier ist auch richtig viel Verkehr und das macht es nochmal schwerer, vorwärts zu kommen.

Danach wird das Wetter aber besser, und bei Hella scheint die Sonne, es hat kaum Schnee, nur nach wie vor sehr starken Wind der von Norden bläst. Die Aussicht auf den Eyafjalljökull ist jetzt erstmals gegeben und die Luft ist klar. Unterhalb des Vulkans wird an den Hinweistafeln noch sehr starker Wind mit bis zu 31 m/s in Hvammur angekündigt.

Es bläst einen auch fast von der Straße, an Aussteigen ist nicht zu denken.

Am späten Nachmittag kommen wir dann am Guesthouse Steig vor Vik an. Wir sind von den doch geräumigen Zimmern erstaunt, dazu hat es eine Küche und ein kleines Wohnzimmer mit Aussicht. Wir machen uns auch sofort ans Abendessen, denn wir haben noch Fleisch und Gemüse übrig. Es gibt nochmal sehr gutes Fohlen und wir lernen nach dem Essen zwei Schwestern aus Oregon kennen, mit denen wir uns etwas verquatschen.
Als wir dann nach draußen gehen, ist der Sonnenuntergang schon vorbei.

Isa und Steffen tummeln sich am Dyrholey Felsen rum, dort fahren wir auch hin und sehen uns mal um. Wir treffen die beiden auch gleich beim Fotografieren und machen selber noch ein paar Bilder.

Dann fahren wir zum Guesthouse zurück und setzen uns in die Küche. Die Aurora Vorhersage für heute ist nicht ganz so gut, aber es könnte was zu sehen sein. Deshalb fahren wir später nochmal nach Dyrholey und schauen, aber es sind leider nur Sterne zu sehen. Der Wind ist auch so stark, dass es mit dem Fotografieren auch schwer würde.

Wir lassen es für heute gut sein und gehen schlafen. Ich stehe aber immer wieder mal auf und sehe zum Himmel, als es gegen 2:45 Uhr ganz klar ist gehe ich mal nach draußen, aber es ist keine Aurora zu sehen. Um 4 Uhr bin ich nochmal draußen, aber auch da nichts zu sehen.

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